• Freiheitsdrang

Ein Hafenmädchen sein

Aktualisiert: Apr 23

Der Sommer ist die schönste Jahreszeit. Die Tage sind lang, die Natur auf ihrem Höhepunkt - alles gedeiht und wächst. Die Luft ist mit Leben ausgefüllt. Es ist eine Zeit, um mit dem Segelboot über die Meere zu segeln. Doch wie ist es, als Kind auf einem Boot den Sommer zu verbringen? Ich schwelge in Erinnerungen und kriege eine wohltuende Wärme im Herzen, denn diese Zeit wird mich mein Leben lang begleiten. Ich erinnere mich an die vielen Häfen und neuen Orte, die ich zu Gesicht bekommen habe, an die schönen Ecken, die gar nicht so weit von unserem Heimathafen entfernt sind.


"Land in Sicht", ruft mein Vater mir zu und wir steuern unseren Zielhafen an. Ich sitze vorne am Bug und halte Ausschau nach einer freien Box, in der wir für ein bis zwei Nächte bleiben können. Ich erinnere mich noch an meine gelbe Schwimmweste mit Pinguinen drauf, in der ich die meiste Zeit verbracht habe. "Frei", - schreie ich mit meiner quietschigen Stimme nach hinten zu meinen Eltern. Klar Schiff gemacht und der erste Gang aufs Land. So viele neue Eindrücke für meine kleinen strahlenden Kinderaugen, immer auf der Suche nach neuen Spielkameraden. Doch so wie es mir ging, ging es auch anderen Hafenkindern und somit hat sich schnell ein Spielkamerad gefunden. Heutzutage kann ich mich nicht an einen einzigen Namen erinnern, jedoch waren diese neuen Bekanntschaften wichtig für meine Entwicklung. Meiner Meinung nach waren die wichtigsten Utensilien auf unserem Boot der Kescher, die Krebsangel und ein Eimer. Stundenlang lag ich mit dem Bauch auf dem Steg und habe die armen Tiere mit meinen Kescher belästigt. Gerade in der Ostsee gab es haufenweise Seesterne und natürlich auch Krebse. Meistens waren meine Arme zu kurz, um an den großen Krebs in der Ecke ranzukommen, so kam mein Teleskop-Kescher zum Einsatz. Man sah nun nicht mehr ein Kind mit einem Kescher, sondern einen Kescher mit einem Kind. Bevor sich nun in den Kommentaren ein Gesprächstumult von Tierquälerei ausbreitet, kann ich euch beruhigen: Alle Tiere waren nicht lange in dem mit Meerwasser gefüllten Eimer, dafür haben meine Eltern Gott sei Dank gesorgt. Meine Eltern haben zum Glück auch meine Vorhaben mit den Krebsen streng unterbunden, denn habt ihr schon mal zwei Krebse in einem Eimer erlebt? Ich nannte es als Kind: Krebs-Wrestling. Mittlerweile denke ich mir, die armen Tiere, Streitschlichterin bin ich zum Glück nie geworden - ist auch besser für alle Beteiligten gewesen.

Wenn meine Eltern sich nicht mit mir beschäftigt haben, habe ich schnell eine andere Beschäftigung gefunden. Ob mit dem Schlauchboot im Hafenbecken rum paddeln, mit meinem Klapproller zum nächsten Eisladen fahren oder auch neue Knoten zu üben. Unter anderem war einer meiner Lieblings-Beschäftigungen das Putzen des Bootes. Wahrscheinlich denken die meisten jetzt, wieso ist mein Kind nicht mit diesem Willen ausgestattet, aber ich kann euch beruhigen, die Fenster waren weitestgehend im Nachhinein verschmiert und die Putzutensilien waren auch quer auf dem Boot verteilt. Aber so konnte ich meinen Eltern ebenso Beschäftigung hinterlassen.

Ich kann mich noch gut an die Fahrten durch den Nord-Ostsee-Kanal erinnern. Meine Eltern haben mir öfters einen kleinen Pool aufgebaut und diesen mit Wasser gefüllt oder eine Hängematte vom Vorsegel bis zum Mast gespannt. Ich habe meine Füße über die Reling gestreckt und auf Wellen gewartet und wenn das Wetter nicht ganz so mitspielen wollte, hat meine Mutter mir auf einem kleinen DVD-Player einen Film angemacht. Es ist unglaublich, wie glücklich man ein Kind mit solchen Momenten machen kann.


Ich habe so viel erlebt in den Jahren und ich glaube, gerade den Erlebnissen kann ich meine Affinität zum Meer und zur Seefahrt verdanken. Es ist so unglaublich schön, in den Schlaf gewogen zu werden, die Möwen morgens kreischen zu hören, während sich die frische Seeluft um deine Nase schmeichelt. Wie oft haben meine Eltern mit mir "Ich sehe was, was du nicht siehst" gespielt oder auch "Eine Seefahrt die ist lustig.." gesungen . Ich danke ihnen, dass sie mir diese Erfahrungen mit auf dem Weg geben konnten und auch immer noch können. Solche Erfahrungen zu sammeln ist nicht selbstverständlich und eine enorme Bereicherung, gerade an der Nordseeküste.

Ich kann mir gut vorstellen, dass einigen nun auch das Herz schlägt und sie in bestimmten Erinnerungen hängen geblieben sind. Schreibe sie mir doch gerne in die Kommentare oder verfasse einen eigenen Beitrag, ich freue mich, mit dir zusammen in besonderen Momenten zu schwelgen.

Das Meer ist ein Teil von uns.


Frische Grüße von der Elbe,

Min Deern


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